Die Ausstellung Lessons from ’91 versammelt erstmals Fotograf*innen der gesamten Region, ihre Werke sowie internationale Gäste an einem Ort und gibt somit ein authentisches Abbild der Kriegsjahre Jugoslawiens. Ohne den Anspruch zu haben eine universelle historische Abbildung des Krieges zu sein und Antworten auf unläsbare Fragen zu haben, bietet die Ausstellung Perspektiven auf die Realität dieser Kriegsjahre, die von Fotograf*innen auf politischen und realen Schlachtfeldern von Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina über Serbien und Kosovo bis hin zu Mazedonien, gesammelt wurden. Die Fotografien spielten im Krieg selbst eine entscheidende Rolle und prägten nicht nur die öffentliche Meinung in den vom Krieg betroffenen Staaten, sondern auch die Meinung der internationalen öffentlichkeit. Heute sind sie für uns als Fundament kollektiver Erinnerung noch wichtiger, doch manchmal auch unerwünschte Spur einer vergangenen, doch noch immer schmerzhaften Geschichte. Der Blick von Fotograf*innen ist nie gänzlich neutral, obwohl dokumentierende Fotografie dazu tendiert ein objektives und realistisches Abbild der Realität zu sein. Fotografien haben niemals nur eine Interpretationsmöglichkeit, vielmehr müssen die multiplen Schichten vor ihrem variablen Entstehungshintergrund entschlüsselt werden: vor den Eindrücken, den sie zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung prägten, vor der Motivation, Ethik und Weltsicht der Fotografierenden und nicht zuletzt vor dem gegenwärtigen Blick auf die abgebildeten Ereignisse. Kroatische und regionale Fotograf*innen, anders als internationale Professionelle, hatten am häufigsten die Möglichkeit den Krieg von nur einer, ihrer eigenen Seite, abzubilden – und in einer solchen Situation ist es ungemein schwierig die eigenen Emotionen, Zugehörigkeitsempfindungen und Patriotismus auszublenden.

Obwohl alle Fotograf*innen die Tatsache betonen, dass sie ihren Job stets professionell und objektiv gemacht haben, waren es die Medien, die die Bilder an die eigene politische Agenda anpassten und in entsprechende politisch notwendige Sinnzusammenhänge stellten – ein Prinzip, das bis heute an bedeutenden Jahrestagen zu beobachten ist. Diese Ausstellung präsentiert Fotografien, die auf allen Seiten des Konfliktes entstanden und von den Urheber*innen ursprünglich unabhängig von bestimmten Absichten eingefangen wurden. Bis heute sind diese Bilder emotional aufgeladen und ihre Fotograf*innen blicken auf diese, den Albtraum erneut durchlebend, qualvoll zurück.

Autoren: Darko Bandić, Nina Berman, Matko Biljak, Renato BranÄ‘olica, Miloš Cvetković, Tom Dubravec, Amel Emrić, Željko Gašparović, Zijah Gafić, Velija Hasanbegović, Toni Hnojčik, Filip Horvat, Romeo Ibrišević, Srđan Ilić, Zoran Jovanović Mašak, Milomir Kovačević Strašni, Borut Krajnc, Saša Kralj, Rikard Larma, Paul Lowe, Anthony Loyd, Antun Maračić, Simon Norfolk, Nebojša Radosavljević Raus, Željko Sinobad, Tone Stojko, Srđan SulejmanovićSuki, Imre Szabo, Pavo Urban, Davor Višnjić, Božidar Vukičević, Dragoljub Zamurović

Kuratorin: Sandra Vitaljić

Künstlerische Darstellung: Nina Bašun and Roberta Bratović/ Oaza

Produktion: Organ Vida 2016

Zagreb
Eröffnung: 14.9.2016
Dauer: 24.9.2016
Ort: Galerija „Zvonimir“

Maribor
Eröffnung: 26.9.2016
Dauer: 11.10.2016
Ort: Galerija EPEKA, Galerija K18, Fotografski muzej Maribor

Beograd
Eröffnung: 28.2.2017
Dauer: 26.3.2017
Ort: Muzej Jugoslavije

Berlin
Eröffnung: 4.4.2017
Dauer: 22.4.2017
Ort: BOX Freiraum